Kommunikationsmodell

Das Kommunikationsmodell der TA beruht auf der Analyse der Transaktionen zwischen Menschen. Eine Transaktion ist die kleinste sinnvoll unterscheidbare Kommunikationseinheit. Eric Berne, der Gründer der TA fand dieses Modell so essentiell für die therapeutische Arbeit, dass er die ganze Therapieschule mit all ihren verschiedenen Konzepten danach benannte.

Um den Menschen und seine Beziehungen (zu sich, den Mitmenschen, der Umwelt) zu verstehen, werden Transaktionen analysiert. Wie kommuniziere ich (beabsichtigt und unbeabsichtigt) um was zu erreichen? Was erreiche ich tatsächlich? Wie kann ich meine Kommunikation erfolgreicher gestalten? Das sind einige Kernfragen bei der Analyse der Transaktionen in Supervision, Selbsterfahrung und Kommunikationstraining.

Das Kommunikationsmodell wird in der TA in enger Beziehung zu der Vorstellung der drei Ich-Anteile (Erwachsenen-Ich, Kindheits-Ich, Eltern-Ich) betrachtet. Aus welchem Ich-Zustand kommuniziere ich wie und in welcher Form und mit welchem Ich-Zustand antwortet mein Gegenüber. Dabei können verschiedene Aspekte, z. B. Inhaltsaspekt und Beziehungsaspekt, der Kommunikation auch gleichzeitig aus verschiedenen Ich-Zuständen erfolgen, ja sich sogar widersprechen (in der Psychologie spricht man dabei von "Double Bind"). Image44.gif

 

Stellen sie sich z.B. einen Ehekonflikt vor. Arbeiten dabei zwei Erwachsene (Mann und Frau im Erwachsenen –Ich) an der Lösung des Konfliktes oder streiten zwei "Kinder" (z.B. darum welche Position wichtiger ist, Mann und Frau im Kind-Ich) oder kämpfen da zwei "Eltern" (z.B. darum wer "recht" hat, beide im Eltern-Ich) oder wird dabei ein "Kind" von einem "Elternteil" gemaßregelt (z.B. wie etwas besser und schneller zu erledigen ist). Die Vielzahl möglicher Kombinationen und individueller Ausprägungsarten hilft, dass die Einzigartigkeit der beteiligten Personen nicht in dieser (scheinbar) einfachen Modellvorstellung verloren geht.

In der TA werden drei grundlegende Transaktionen, in Verbindung mit drei Kommunikationsregeln, definiert.

An der Frage: "Wie geht es dir" und der Antwort: "Mir geht es gut" wird der verbalisierte Inhalt für jedes Beispiel illustriert.

A Parallele Transaktion:

Bei der parallelen Transaktion erfolgt die Antwort aus dem angesprochenen Ich-Zustand.

Die erste Kommunikationsregel besagt, daß eine parallele Transaktion beliebig lange fortlaufen kann.

A1 Frage ER zu ER Antwort ER zu ER: Frage und Antwort mit interessiert freundlichem Tonfall und Ausdruck

A2 Frage K zu EL Antwort EL zu K: Frage: besorgt ängstlich, Antwort: beruhigend fürsorglich

B Gekreuzte Transaktion:

Die Antwort erfolgt aus einem anderen Ich-Zustand als dem angesprochenen.

Die zweite Kommunikationsregel besagt, daß bei einer Kreuzung der Transaktion der Kommunikationsfluss unterbrochen wird.

B1 Frage K zu EL Antwort ER zu ER: Frage: besorgt ängstlich, Antwort: freundlich, interessiert aber nicht fürsorglich

B2 Frage EL zu EL Antwort ER zu ER: Frage: Statusgleichheit signalisierend (im unterschied zu anderen Anwesenden), Antwort: freundlich, distanziert

C Verdeckte Transaktion:

Eine Transaktion kann auf zwei verschiedenen Ebenen aus zwei verschiedenen Ich-Zuständen erfolgen, einer offiziellen bewußten Ebene, der sozialen Ebene (häufig ER - ER und verbal) und einer verdeckten Ebene, der psychologischen (in der Regel nonverbal und oft unbewußt), letztere wird als strichlierte Linie symbolisiert.

Die dritte Kommunikationsregel besagt, daß die Entscheidung, was aus der Kommunikation weiter geschehen wird, auf der psychologischen Ebene fällt.

Bei den Beispielen A und B fallen offene und verdeckte Kommunikationsebene zusammen, daher wird die strichlierte Linie weggelassen, da sich beide Ebenen decken, die Nachricht ist kongruent.

C1 offen ER zu ER verdeckt K zu K als parallele Transaktion: offene wie a1, dazu aber verdeckt von K zu K etwa "Hey super dich wieder einmal zu sehen" "alter Kumpel mir geht’s echt prima"

C2 offen ER zu ER verdeckt je EL zu K als gekreuzte Transaktion: offen wie a1 aber jetzt verdeckt beim Fragen etwa "oh du armer siehst aber gar nicht gut aus" und als Antwort verdeckt etwa "das geht dich überhaupt nichts an, was fällt dir ein"

Interessant ist, dass wir nicht erst lernen müssen, die verdeckte Ebene zu erkennen. Wir alle können das dank unserer Intuition sehr gut.

Die spannende Frage in Supervision oder Kommunikationstrainings kann sein, warum und wann wir die verdeckte Ebene ausblenden, so tun als wenn wir sie nicht bemerkt hätten und uns zum Beispiel an den verbal geäußerten Inhalt halten und dann (im Sinne der dritten Kommunikationsregel) erstaunt sind, dass alles ganz anders kommt als be(ausge)sprochen

Mag. Rainer Dirnberger