Strokemodell

Das Englische Wort Stroke (Streich, Schlag, Streicheln) hat sich im Vokabular der TA eingebürgert, weil die deutschen Begriffe wie Anerkennung und Zuwendung eindeutig positiv besetzt sind. Unter Stroke versteht man jedoch JEDE Form der Anerkennung der Existenz des Anderen.

Strokes können positiv sein, also für den Anderen angenehm (z.B. streicheln, freundliche Worte oder Gesten, ein liebevoller oder aufmunternder Blick usw.) oder negativ, also unerfreulich oder schmerzhaft für den Anderen (z.B. schimpfen, schlagen, beschämen, unfreundliche Worte oder Blicke usw.). Außerdem können Strokes sich auf unsere Handlungen und Taten beziehen, also von Bedingungen abhängig sein, oder sich auf uns selbst, auf unser SEIN, beziehen, also ohne Bedingung sein.

Wir können somit unterscheiden:

  • bedingungslos/positiv - Ich stroke Dich! Du bist ...! (zB.: Ich liebe dich, du bist klug, es ist schön dass es dich gibt, eine ("grundlose") liebevolle oder freundschaftliche Umarmung ...)
  • bedingt/positiv – Ich stroke Dich, weil ...! Du bist ..., weil! (zB.: Das hast du gut gemacht, deine Haarfarbe gefällt mir, du bist in Mathematik klug, eine liebevolle oder freundschaftliche Umarmung aus einem bestimmten Anlass ...)
  • bedingt/negativ - Ich stroke Dich, weil ...! Du bist ..., weil! (z.B. das hast du schlecht gemacht, dein Hemd gefällt mir nicht, du bist in Mathematik ein Versager, ein kritisch-scharfer Blick, Schläge/Prügel aus einem bestimmten Anlass ...)
  • bedingungslos/negativ - Ich stroke Dich! Du bist ...! (z.B.: Ich hasse Dich, du bist ein Idiot, Versager, grundlose Schläge ....)
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Die bedingungslosen Strokes sind jene "Nahrung" die wir alle für unser Selbst brauchen, aus der wir unseren Selbstwert aufbauen. Sie geben uns Auskunft über unser Sein, nicht jedoch über unser Verhalten. Als Rückmeldung über unser Verhalten, um dessen Wirkung auf andere einschätzen zu können, benötigen wir die bedingten Strokes.

Eine interessante Eigenheit der Strokes ist, dass negative Strokes viel wirkungsvoller, viel mächtiger sind, als die positiven.

Noch wichtiger aber ist die Tatsache, dass jede Art von Stroke besser ist als überhaupt kein Stroke. Kein Stroke bedeutet die Missachtung unserer Existenz, als wenn es uns nicht gäbe. Dieses Gefühl der Nicht – Existenz, daß wir beim völligen ausbleiben von Strokes hätten, ist für uns Menschen, vor allem wenn es sich für uns um wichtige Beziehungen handelt, nicht aushaltbar. In solch einer realen oder auch nur eingebildeten Stroke – Not sind Menschen zu den verrücktesten Handlungen fähig, nur um von dem Anderen anerkannt zu werden, auch wenn dies in sehr negativen Strokes (Beschimpfungen, Misshandlungen ....) erfolgt.

Wir können damit sehen, dass Strokes tatsächlich eine Form von "Nahrung" sind (ein Grundbedürfnis) die wir zu unserem Überleben benötigen.

Wir alle haben durch unsere Lebensgeschichte gelernt, WIE, WANN, WO und WELCHE Strokes wir geben und annehmen. Für alle unsere (menschlichen) Beziehungen können wir uns die Frage stellen, zu welchen Anlässen geben wir welche Strokes, welche enthalten wir dem Anderen vor und welche bekommen wir vom Gegenüber. Welche nehmen wir von wem an und welche hätten wir gerne, haben aber z.B. noch nie danach gefragt usw.

Diese Fragen zur Stroke - Analyse und verschiedene Stroke – Techniken finden in Psychotherapie und Selbsterfahrung Anwendung. Sie können aber auch für die Beziehungen im beruflichen Umfeld (Coaching, Supervision) ein wichtiges Thema sein.

Mag. Rainer Dirnberger